Geschichte der WIHAST in Österreich (1923-1998)
Anfang der 20er Jahre in Österreich:
In den 20er Jahren, nach Ende des 1. Weltkrieges, wurde die Wirtschaftshilfe der Arbeiterstudenten Österreichs (WIHAST) gegründet.Im Herbst 1923 konnte nach den notwendigsten Renovierungsarbeiten das erste Studentenwohnhaus in der D`Orsay-Gasse 5 in Wien 9 eröffnet werden. Damit hatten 14 Studenten eine neue, kostengünstige Unterkunft gefunden. Auch eine verbilligte Verpflegung konnte angeboten werden.
Nach knapp zwei Jahren konnten von der WIHAST weitere Unterkünfte in einem Nebengebäude des Schlosses Schönbrunn angemietet werden. 1926 wurde vorübergehend für weitere 20 Studierende eine Großwohnung im Haus Bauernmarkt, Wien 1, zur Verfügung gestellt.
Auch wenn die ersten beiden Wohnhäuser der WIHAST wieder geschlossen werden mußten, wurde doch weiterhin rege versucht, Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten zu erschwinglichen Preisen bereitzustellen. 1928 bot die Gemeinde Wien der WIHAST ein Haus in der Billrothgasse 9, Wien 19, als Studentenwohnheim an. Weiteren 78 Studenten wurde eine Wohnmöglichkeit durch die Eröffnung des Heimes in Wien 9, Säulengasse 18, geschaffen. Zu dieser Zeit betreute die WIHAST in ihren Heimen bereits etwa 140 Studierende aus allen Bundesländern, die in Ein-, Zwei- und Dreibettzimmern untergebracht waren. Im Februar 1934 wurde alle Arbeiterorganisationen, so auch die Wirtschaftshilfe für Arbeiterstudenten Österreich aufgelöst. Die Heime wurden von Wehrverbänden besetzt, doch konnte durch dringliche Vorsprachen in letzter Minute die Unterkunft für die Studenten erhalten bleiben. Jedoch die Verwaltung der Heime musste abgegeben werden. Im Jahr 1938 wurden die ehemaligen WIHAST-Häuser der Deutschen Hochschülerschaft übergeben und dienten während der letzten Kriegsjahre größtenteils der Unterbringung kriegsverletzter Studenten. Erst im Jahre 1947 konnte die WIHAST ihre Arbeit wieder aufnehmen. Die beiden Häuser in der Säulengasse 18 und Billrothgasse 9 wurden reaktiviert.
Der Vereinsausschuss, dessen Obmann in diesen Jahren der spätere Bundespräsident Dr. h.c. Körner gewesen ist, nahm die Arbeit nach den bewährten Richtlinien der Vereinsgründer in Angriff. In den folgenden Jahren konnten durch die Unterstützung ausländischer Freunde, der Volkshilfe und der WÖK sowie umfassender Spendenaktionen die dringendsten Anschaffungen bewerkstelligt und günstige Verpflegung für die Studierenden sichergestellt werden. 1952 wurde ein ehemaliges Ortsgruppenlokal der NSDAP in der Wolkersbergenstraße 170 als Studentinnenheim in Betrieb genommen.
Erst nach Abschluß des Staatsvertrages besserte sich die finanzielle Lage des Vereines allmählich. Erstmals konnten nicht nur moderne Unterkünfte geboten werden, die Wohnräume enthielten nun neben einem Vorraum auch einen Dusch- und Baderaum.
Im Jahr 1960 wurde anläßlich des bevorstehenden 70. Geburtstages des Gründungsmitgliedes und langjährigen Vereinsvorstandes der WIHAST, Dr. Adolf Schärf, die Idee geboren, ein Kuratorium für die Errichtung von Adolf-Schärf-Studentenheimen ins Leben zu rufen. Im Herbst 1964 konnten 218 Studierende das erste Adolf-Schärf-Studentenheim in der Lorenz-Müller-Gasse 1, Wien 20, beziehen. Die treuhändige Verwaltung des Heimes wurde der WIHAST übertragen. Die Kärntner Landesregierung und das niederösterreichische Oskar-Helmer-Studentenförderungswerk hatten dank beachtlicher finanzieller Zuschüsse Einweisungsrechte für Heimplätze erhalten.
Bei seiner Eröffnungsrede im Jänner 1965 erklärte Bundespräsident Dr. Adolf Schärf: "...der heutige Tag ist einer der schönsten in meinem Leben. Es ist die Krönung einer Idee, die mich seit meiner eigenen Studienzeit immer wieder beschäftigt hat: nämlich jungen, wissensdurstigen Menschen zu helfen, daß sie möglichst frei von materiellen Sorgen ihrem Studium nachgehen können."
Aus allen Bundesländern strömten die quartiersuchenden Studierenden nach Wien. Doch auch in anderen Landeshauptstädten gab es Universitäten, und der Bedarf an günstigen Studentenunterkünften stieg stetig. So konnte es nicht ausbleiben, daß sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte selbständige WIHAST-Landesvereine in Oberösterreich, Salzburg, Innsbruck und Graz bildeten.
Das demokratische Prinzip der studentischen Selbstverwaltung jedoch hat ihre Wurzeln in der Gründerzeit der Vereine und wurde und wird bis heute überall verwirklicht. So besteht seit langem allerorts die Institution des Heimausschusses, die eine Interessensvertretung der studierenden HeimbewohnerInnen gegenüber den WIHAST-Vereinen darstellt.
Der Heimausschuss - aus den eigenen studentischen Reihen demokratisch gewählt - regelt hausinterne Angelegenheiten und hat das Recht, zusätzlich zur allgemeinen Rahmenheimordnung spezielle hauseigene Heimstatuten zu erstellen. Neben der Bereitstellung kostengünstiger Wohnplätze und verbilligter Mittagstische wurde es für die WIHAST Österreich wie für die einzelnen Landesvereine auch bald zur Aufgabe, den Studierenden auf kulturellem und sportlichem Sektor Möglichkeiten und Vergünstigungen anzubieten. Denn das Wohnen in den österreichischen WIHAST-Häusern sollte über die rein physische Verpflegung hinaus auch geistige Anregung sein.